Die Angst des Amateurs

Wenn man schon eine ganze Weile photographiert und die Resultate zu gefallen wissen, kommt irgendwann auch die Zeit wo man gefragt wird: „Würdest Du meine [beliebiges Familienereignis] photographieren?“ Das ist auch sehr schön und ich freue mich jedes mal aufs neue darüber. Trotzdem bleibt immer ein gewisser Restzweifel. Es ist ein Unterschied ob man für sich selbst photographiert oder quasi einen Auftrag „erledigt“. Denn mit diesen ist immer eine gewisse Erwartung verbunden, die ggf. auch finanziell vergütet wird. Nicht zuletzt ist aber auch der Anspruch an sich selbst oft ein Anlass für Bedenken à la „bin ich wirklich gut genug?“. Natürlich wissen die Auftraggeber, meistens Verwandte, Freunde oder Freunde von Freunden, dass man nur „Amateur“ ist, aber das ungute Gefühl bleibt.


Es gibt Naturelle die Kraft ihrer Wassersuppe überall anpreisen, dass sie jeden Job erledigen. Wer dieses Selbstvertrauen hat, kann sich glücklich schätzen. Das ist wohl in jeder Branche von Vorteil. Aber viele haben dies nicht, obwohl sie tatsächlich gute Arbeit leisten können.
Es ist auf jeden Fall wichtig sich gut vorzubereiten und auch so aufzutreten. Missgeschicke können immer geschehen, doch die Gefahr läßt sich verringern. Die folgenden Tipps sind sicherlich keine Teufelszeug und auch nichts Neues, aber zumindest noch einmal zusammengefasst:

  • Equipment checken. Geladene Akkus, leere Speicherkarten, Einstellungen der Kamera überprüfen. Nicht selten kommt es vor das die Batterieanzeige schon blinkt wenn man die Kamera einschaltet, auf der Karte noch Bilder von Oma Hildes 80. Geburtstag sind oder man sich wundert warum die Kamera erst gar nicht und dann ganz plötzlich auslöst wenn man blöd in die Linse schaut, weil der Selbstauslöser noch aktiviert ist.
  • Sich gedanken über die Art der Bilder machen. Für viele Bilder gibt es Patentrezepte technischer und gestalterischer Art die man sich im Vorfeld anlesen und aneignen kann. Man muß die Regeln erst beherrschen, wenn man sie brechen will.
  • Einfach machen. Wenn man dann an Ort und Stelle ist, sollte man einfach sein bestes geben. Wer seine Technik beherrscht, hat schonmal die halbe Miete drin. Die andere Hälfte ist die Motivgestaltung. Die funktioniert aber nur in Verbindung mit den Auftraggebern. Ja, das sollte man sich immer vor Augen halten. Man ist zwar der „Handwerker“, aber ohne konkrete Vorstellungen kann man nur raten was gefällt.
  • Natürlich sein und so Souveränität zeigen. Man ist ja auch nur ein Mensch. Ein Späßchen oder ein bißchen Konversation lockert auf. So kann man auch ein paar Ideen diskutieren und entwickeln.

Sicherlich läßt sich so nicht jede Aufregung vor einem Job vermeiden aber mir hilft es ganz gut. Und so bleibt letztendlich auch der Spaß dran. Am Ende kommt eigentlich immer etwas Ansehnliches dabei heraus.

Wer kennt diese Ängste auch? Wie geht ihr damit um?

13. Januar 2012 in photography

1 Kommentar

  1. Frieder - 15. Januar 2012 um 14:30

    Ich kenne dieses Gefühl. Ich bin ungern der Einzige, der ein besonderes Ereignis, wie z.B. eine Hochzeit, fotografiert. Gern lichte ich sie „zusätzlich“ ab, aber die Last der Hauptdokumentator zu sein, behagt mir nicht. Bislang konnte ich mich deshalb immer drücken und habe „nur so“ meine Bilder gemacht. Mittlerweile traue ich es mir zwar technisch und erfahrungsmäßig zu, ein einmaliges Ereignis adäquat festzuhalten, aber ich würde trotzdem betonen, dass ich eben nur ein Amateur und kein professioneller Handwerker bin.

    Die wichtigsten Punkte, die man, wenn es doch mal soweit kommt, beachten sollte, hast du schon genannt. Ausrüstung checken schafft Sicherheit. Routine mit der Technik entwickeln und sich vorher mit den Auftraggebern absprechen, was gewünscht ist. Praktisch finde ich es auch, sich vorher Vorbilder heraus zu suchen, sodass man schon am Anfang ein paar Bilder im Kopf hat, um die Zeit zu überbrücken, bis man mit der Situation warm geworden ist und eigene Ideen entwickeln kann.

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