Ausstellung: Thomas Hoepker

Auch auf die Gefahr hin hier eine imense Bildungslücke zu offenbaren muß ich erzählen wie es dazu kam dass ich in die Photoausstellung von Thomas Hoepker gegangen bin. Als ich vor 2 Wochen über den Erfurter Domplatz spaziert bin, erblickte ich eine Litfaßsäule mit einem Plakat wo mit einem Teilportrait eines japanischen Mädchens das weiß geschminkt mit einem großen roten Punkt auf der Stirn die Nationalflagge Japans verkörperte, für die Photoausstellung eines gewissen Thomas Hoepker geworben wurde. Das Bild war äußerst ausdrucksstark und ich angefüttert. Heute habe ich es dann endlich geschafft in die Ausstellung in der Kunsthalle Erfurt zu gehen. Schon ein weiteres Beispielbild vor der Kunsthalle, auf dem Muhammed Ali portraitiert war, ließ mich ahnen dass es sich um einen Photographen handelt der in der Photographiegeschichte wohl schon einige Spuren hinterlassen hat. Und so war es dann auch. Ein formidables Oeuvre quer durch die Geschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Portraits von Künstlern, Dokumentationen von Landschaften, Menschen aber auch gesellschaftlichen Missständen auf der ganzen Welt. Der Versuch einer detaillierten Beschreibung würde wohl an meinem mangelnden Wissen über ihn scheitern aber mein Eindruck war dass Thomas Hoepke sein Handwerk nicht nur technisch sehr gut beherrscht, was wohl ohnehin ein notwendiges Kriterium für Photographen ist, sondern auch ein imenses Gespür für den Augenblick und für Ausschnitte hat. Vor allem eine großformatige Photographie aus einem von Pocken und Hungersnot geplagten Dorf in Äthiopien hat mich über die Maßen fasziniert. Es scheint als würde man selbst durch den Sucher der Kamera erblicken wie eine Gruppen von verzweifelten Menschen um Essen bettelt. Trotzdem ist der Respekt vor den Menschen erhalten. Er praktiziert also keinen photographischen Elendstourismus.
Aber auch die Bilder die er von Personen der Zeitgeschichte, wie Willy Brandt, Andy Warhol oder eben Muhammed Ali, gemacht hat, haben alle das gewisse etwas. Ich könnte jetzt jede einzelne Kategorie erläutern, das würde aber dem Zweck dieses Beitrages widersprechen das Interesse an dieser tollen Ausstellung und einem noch viel besseren Photographen zu wecken den ich zu meiner Schande erst heute kennen gelernt habe.

Wer schon gefallen an Henri Cartier Bresson gefunden hat, wird auch bei Thomas Hoepker, der übrigens erste deutsches Vollmitglied der Photoagentur Magnum und zeitweise auch ihr Präsident war, fündig.

Noch bis zum 1. Februar 2009 in der Kunsthalle „zum roten Ochsen“ am Fischmarkt zu Erfurt.

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